It must schwing! Die Jazz Animals im Zughafen in Erfurt.

JAZZ lebt… Ein tierisches Tribute-Konzert im Zughafen

Am 15.11. gastierten mit den Jazz Animals ein virtuoses Spitzenensemble im Kulturbahnhof, das überragend an die großen Erfolge des Jazz Labels Blue Note erinnerte.

„Blue Note haben den Jazz wie kein anderes Label geformt. Von 1955 bis 1966 sind über 400 stilprägende Alben entstanden.“, begrüßte folglich auch Pianist Axel Zwingenberger die Gäste im nahezu ausverkauften Zughafen am Freitagabend. Mit einem kurzem Boogie-Woogie-Entrée entführte der in Wort wie Musik beflissene Piano-Mann und Mitglied der siebenköpfigen Blue-Note-„Jubiläumsband“ das Publikum anschliessend auf eine Zeitreise in das Amerika der goldenen 50er und 60er Jahre.

Die Inszenierung der künstlerischen Reminiszenz hätte nicht trefflicher sein können. Im schummrigen Licht des von Heizstrahlern erwärmten Zughafens orchestrierten Industriecharme, musikalische Ausnahmetalente und ein begeistertes Auditorium daher in perfekter Harmonie. Die von Kurator Siggi Loch – Gründer des Jazz Labels ACT und früherer Warner-Music-Europachef – und Star-Saxophonist Émile Parisien ins Leben gerufene Projektband „Jazz Animals“ honorierte das Lebenswerk des 80-jährigen Jubilars Blue Note Records gleichfalls gebührend und nachhaltig.

Blues, Boogie, Bebop, Hardbop…– die Jazz Animals überzeugten in Erfurt mit einer Spiel- und Interpretationsfreude, die sinnbildlich für Jazz stehen sollte. Zeitgleich bewahrten die Jazz-Tiere die Klangfarben der epochalen Hitwelle der 50er und 60er Jahre. Sie überzeugten überdies mit authentisch-dynamischer Inszenierung der Ohrwürmer von „Summertime“, „Blue Train“, „A Night in Tunisia“ und “Blues March“. Das Potpourri der Meilensteine voller „emotionaler Kraft“, wie es Zwingenberger formulierte, wurde vom Auditorium daher nahezu aufgesogen.

Der Auftritt des 90-jährigen Benny Golson war eine kleine Sensation

Besonderer Gast des Abends und Starmusiker der insgesamt 10-Städte-Tournee der Tribute-Band war unbestritten Benny Golson. Der 90-Jährige durfte als Dienstältester die wahren Hymnen des letzten Jazz-Jahrhunderts auf seinem Saxophon noch mitprägen. „Es ist eine unglaubliche Ehre, mit Benny Golson zusammen auftreten zu dürfen. Und deshalb auch eine Verpflichtung für jeden von uns, bei einem solchen Abend, einfach nur das Beste zu geben.“, erklärten die Bandmitglieder Theo Croker (Trompete), Yaron Hermann (Klavier), Gerald Cleaver (Schlagzeug) und Émile Parisen (Saxophon) einstimmig.

Der Auftritt des 90-jährigen Saxophonisten Golson gegen Ende des Tribute-Konzertes riss schließlich auch die letzten Zuschauer von ihren Stühlen. Hatten seit dem zweiten Song bereits alle Füße den nötigen „Schwing“ und die Hände aufgrund des anhaltenden Dauerapplauses vielleicht schon die eine oder andere Blase erweckt, zauberte Hardbop-Legende Golson zum Abschluss den Gipfel der Jazz-Ästhetik aufs Parkett. „Ich bin dankbar, mit der besten Gruppe, die ich seit Jahren gehört habe, auf Tour zu sein. Mein Herz ist zutiefst gerührt.“, erklärte Golson übrigens schon vor seinem eigenen Auftritt und lauschte selbst back- wie onstage transzendiert den Klängen seiner musikalischen Wegbegleiter.

Der Abend voll „emotionaler Kraft“ endete unter Standing Ovations gegen 22 Uhr. Ob es ein Wiedersehen in 2020 gibt? Das steht in den Jazz-Sternen, nur eines ist sicher: Künstler wie Zuschauer wünschen sich das „tierisch”.

Besetzung JAZZ ANIMALS

Emile Parisien, Saxophone
Theo Croker, Trompete
Glenn Ferris, Posaune
Yaron Herman, Piano
Joe Martin, Bass
Gerald Cleaver,  Drums

Special Guest: Benny Golson, Saxophone & Axel Zwingenberger, Piano

"The Jazz Animals" im Zughafen - Impressionen

Filmtrailer

The JAZZ ANIMALS

Für die Retrospektive hat Siggi Loch den Saxophonisten Émile Parisien zum Bandleader erkoren. Sein Begleitquintett besteht aus Theo Croker (Trompete), Glenn Ferris (Posaune), Yaron Herman (Piano), Joe Martin (Bass) und Gerald Cleaver (Drums).

Als Special Guest wird noch der Saxophonist Benny Golson mit von der Partie sein, was getrost eine kleine Sensation genannt werden darf. Der Musiker, am 25. Januar dieses Jahres 90 Jahre alt geworden, war noch aktiv in der goldenen Ära von Blue Note beteiligt, sein lyrisch warmer Ton ist, hier einmal stellvertretend für seine stilprägenden Kompositionen und Interpretationen genannt, auch auf dem 1958 entstandenen Meilenstein “Moanin'” von Art Blakey’s Jazz Messengers zu hören.

“Dieses Projekt”, sagt dann auch Émile Parisien, sei “eine der besten von den vielen sehr guten Ideen Siggi Lochs” gewesen, er selbst und seine Band seien Siggi dafür schon jetzt dankbar, “die ganze Jazzgemeinde wird dem wohl folgen.”

It must schwing! – lautete die Ansage, an die sich alle Musiker von Blue Note hielten

Bleibt noch, den leicht skurrilen Titel dieser Tour zu erklären. Während Francis Wolff als Fotograf für die bis heute stilbildenden Cover der Alben von Blue Note verantwortlich war, definierte Alfred Lion deren musikalische Grundsätze. Und weil er als Emigrant der Sprache seiner neuen Heimat niemals wirklich mächtig wurde, lautet der von ihm meistüberlieferte Satz “It must schwing!”, an den sich alle seine Musiker hielten. Blue Note ohne Groove war und blieb undenkbar. Das ist noch heute so, dennoch endet die Retrospektive Mitte der Sechziger. 1967 ging Lion in den Ruhestand, Wolff starb vier Jahre später. Die Musik, der sie zu Weltruhm verhalfen, darf aber weiterhin als unsterblich bezeichnet werden.

Die It must schwing! Tour hat diese Musik nun aber mitnichten nur reanimiert, denn sie ist bislang ja noch gar nicht verstorben. Sie riecht nicht einmal komisch. Sie duftet vielmehr himmlisch und auch verführerisch.

Alle Konzerte der Reihe “Jazz in the City” im Überblick!

it must schwing!

The JAZZ ANIMALS

it must schwing!

Für die Retrospektive hat Siggi Loch den Saxophonisten Émile Parisien zum Bandleader erkoren. Sein Begleitquintett besteht aus Theo Croker (Trompete), Glenn Ferris (Posaune), Yaron Herman (Piano), Joe Martin (Bass) und Gerald Cleaver (Drums).

Als Special Guest wird noch der Saxophonist Benny Golson mit von der Partie sein, was getrost eine kleine Sensation genannt werden darf. Der Musiker, am 25. Januar dieses Jahres 90 Jahre alt geworden, war noch aktiv in der goldenen Ära von Blue Note beteiligt, sein lyrisch warmer Ton ist, hier einmal stellvertretend für seine stilprägenden Kompositionen und Interpretationen genannt, auch auf dem 1958 entstandenen Meilenstein “Moanin'” von Art Blakey’s Jazz Messengers zu hören.

“Dieses Projekt”, sagt dann auch Émile Parisien, sei “eine der besten von den vielen sehr guten Ideen Siggi Lochs” gewesen, er selbst und seine Band seien Siggi dafür schon jetzt dankbar, “die ganze Jazzgemeinde wird dem wohl folgen.”

It must schwing! – lautete die Ansage, an die sich alle Musiker von Blue Note hielten

Bleibt noch, den leicht skurrilen Titel dieser Tour zu erklären. Während Francis Wolff als Fotograf für die bis heute stilbildenden Cover der Alben von Blue Note verantwortlich war, definierte Alfred Lion deren musikalische Grundsätze. Und weil er als Emigrant der Sprache seiner neuen Heimat niemals wirklich mächtig wurde, lautet der von ihm meistüberlieferte Satz “It must schwing!”, an den sich alle seine Musiker hielten. Blue Note ohne Groove war und blieb undenkbar. Das ist noch heute so, dennoch endet die Retrospektive Mitte der Sechziger. 1967 ging Lion in den Ruhestand, Wolff starb vier Jahre später. Die Musik, der sie zu Weltruhm verhalfen, darf aber weiterhin als unsterblich bezeichnet werden.

Die It must schwing! Tour hat diese Musik nun aber mitnichten nur reanimiert, denn sie ist bislang ja noch gar nicht verstorben. Sie riecht nicht einmal komisch. Sie duftet vielmehr himmlisch und auch verführerisch.

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